Jahresbericht 2016 - page 16

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CHWERPUNKTE DER VERBANDS- UND LOBBYARBE I T
Infrastruktur
Gekappte
Lebensadern
Ob Rote oder Schwarze, Jamaikakoali-
tionäre oder Große Koalition: Gewarnt
wurden alle Landes- und Kommunalpo-
litiker schon seit vielen Jahren! Seit fest-
zustellen war, dass die realen Bauinves-
titionen im Hoch- sowie im Straßen- und
Tiefbau kontinuierlich im Bund, Land
und in den Kommunen zurückgefahren
wurden, weist der AGV Bau Saar darauf
hin, dass dadurch immense Schäden
entstehen werden. Welche Schäden
eintreten können, zeigt die Situation
der beiden großen Brücken der A6 vor
den Toren Saarbrückens. Der materielle
Schaden ist bereits enorm.
Der Imageschaden ist nicht mehr gutzu-
machen und die Auswirkungen treffen
das ganze Land und die Region! ... auf
viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte!
Manche haben sogar die Befürchtung
geäußert, dass dadurch auch Menschen
zu Schaden kommen werden. Die Vor-
kommnisse auf den vollkommen über-
lasteten und dafür nicht vorgesehenen
Umgehungsstraßen zeigen, dass dies
nicht von der Hand zu weisen ist. Es
scheint nur eine Frage der Zeit, wann es
unter diesen Umständen zu Personen-
schäden kommen wird.
Ein Fahren auf Verschleiß führt zum To-
talschaden. Das gilt beim Auto genauso
wie bei Bauwerken.
Der Verband hat daher massiv immer
und immer wieder vor solchen Zustän-
den gewarnt. Die Hinweise aus der Po-
litik hat er nicht gelten lassen, gleich
von welcher politischen Richtung sie
geäußert wurden, dass kein Geld vor-
handen sei, um die notwendigen und
gebotenen Maßnahmen zu ergreifen.
Dieses Argument ist unaufrichtig. Geld
wurde an anderer Stelle ausgegeben
und teilweise verschwendet. Wenn es
um die Vorfinanzierung von Planungs-
kosten zur Abberufung von Bundesmit-
teln ging, dürfen diese schon erst recht
nicht irgendwelchen Sparzwängen zum
Opfer fallen. Die ausreichende und vor
allen Dingen qualifizierte Ausstattung
der mit der Planung und Überwachung
zuständigen öffentlichen Stellen, sei es
im Tief- und Straßenbau oder im Hoch-
bau, muss kontinuierlich sichergestellt
werden. Dies hat höchste Priorität.
Die Situation ist nicht aktuell prekär
geworden, sie ist es schon seit etlichen
Jahren. Die Sperrung der Fechinger
Brücke macht es nur für alle sichtbar.
Gleiches gilt jedoch auch für die ma-
roden Kanalsysteme im Saarland, die
einen Investitionsbedarf von rund 1
Mrd. Euro haben. Schon kam es in der
jüngsten Vergangenheit immer wieder
zu Zwischenfällen durch marode Kanäle
– so in Mettlach geschehen, wo kurz vor
Weihnachten 50 Meter Kanal einfach
eingebrochen sind -, da Investitionen in
Baumaßnahmen schlichtweg unterblie-
ben sind. Inwiefern es dabei zu Umwelt-
belastungen etwa durch Leckagen oder
Trinkwasserverunreinigungen
kam,
wurde nicht bekannt – ist aber höchst-
wahrscheinlich.
Im Bereich des öffentlichen Hochbaus
beklagte die Saar-Universität im vergan-
genen Juni einen Sanierungsstau in drei-
stelliger Millionenhöhe, fast die Hälfte
der Gebäude auf dem Campus der Saar-
Uni muss dringend saniert werden. Auf
der Prioritätenliste stünden, so Uniprä-
sident Linneweber, etwa 30 Baustellen,
häufig gelinge es jedoch nicht einmal
die absoluten Notfälle anzupacken (so
geschehen beim Gebäude C 4.1 der An-
organischen Chemie, das vor einigen Jah-
ren kurzfristig geräumt werden musste,
da es nach den Winterferien von innen
vereist war. Eine Komplettsanierung war
aus finanziellen Gründen nicht möglich,
daher ließ man zwei Stockwerke des ent-
kernten Gebäudes im Rohzustand).
Weiteres, gleichfalls dramatisches Bei-
spiel ist die Schließung der Grundschule
in Perl-Besch, weil sich die Kommune die
Sanierung des maroden 60er Jahrebaus
Neckarbogen
Foto: OBG TIefbau GmbH & Co. KG
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