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Bau Saar
LANDESGÜTEGEME INSCHAFT
Umfangreiche
Fachinformationen
Zur mittlerweile 22. Vortragsveranstal-
tung der Landesgütegemeinschaft für
Bauwerks- und Betonerhaltung Rhein-
land-Pfalz/Saarland e.V. konnte Dr. Ing.
Paul Uwe Budau am 26. November
2015 mehr als 120 Teilnehmer im CFK-
Centrum für Freizeit und Kommunikati-
on in Spiesen-Elversberg begrüßen. Im
bis auf den letzten Platz besetzten Saal
rief Budau zunächst den immensen In-
vestitionsbedarf in Deutschland in Er-
innerung, wo der Sanierungsstau sich
mittlerweile nicht nur im Straßen- und
Brückenbau, sondern auch bei der In-
standhaltung öffentlicher Gebäude ma-
nifestiere. Vor dem Hintergrund der ak-
tuell explosionsartig gestiegenen Kosten
für die Flüchtlinge warnte der Vorsitzen-
de die Politik davor, ihre Investitionsent-
scheidungen weiter auf die lange Bank
zu schieben. Statt dessen müssten die
öffentlichen Bauherrn ihre Ingenieurka-
pazitäten wieder so aufbauen, dass sie
die vielfältigen Bau- und Sanierungsauf-
gaben auch wirklich übernehmen kön-
nen.
Den Reigen der Fachvorträge eröffnete
Dipl.-Ing. Holger Tebbe, ö.b.u.v. Sach-
verständiger aus Neuwied, mit seinem
Vortrag über Erkundung, Ertüchtigung,
Umnutzung von Deckenkonstruktionen
der Gründerzeit.
Im Anschluss informierte Dipl.-Ing. Mi-
chael Fiebrich über die Anforderungen
an den sachkundigen Planer nach der
neuen Instandhaltungsrichtlinie. Der
Vorsitzende der Gütegemeinschaft Pla-
nung und Instandhaltung von Beton-
bauwerken wies u.a. darauf hin, dass
Planer zukünftig über mehr als 5 Jahre
Erfahrung in der Betoninstandsetzung
verfügen müssten. Ebenfalls neu in der
Instandhaltungsrichtlinie sei die expli-
zite Forderung nach einer Prognose zur
erreichbaren Restnutzungsdauer des
Bauwerks bzw. Bauteils. Der sachkun-
dige Planer muss demnach für alle Bau-
teile ein Instandhaltungskonzept unter
Berücksichtigung der Aspekte Wartung/
Inspektion und Instandsetzung erstellen
und damit die Entscheidungsbasis für
die Wahl einer technisch und wirtschaft-
lich günstigen Lösung liefern.
Über die Ausführung von Instandhal-
tungsmaßnahmen gemäß Teil 3 der
neuen Instandhaltungsrichtlinie refe-
rierte Prof. Dr. Michael Raupach vom
Institut für Bauforschung der RWTH
Aachen. Entsprechend der für Instand-
haltungsmaßnahmen
eingeführten
Überwachungsklassen ist für die stand-
sicherheitsrelevante
Instandhaltung
von Betonbauteilen der Nachweis der
Fachqualifikation des ausführenden
Unternehmens gemäß Hersteller- und
Anwenderverordnung (HAVO) erforder-
lich. Als Konsequenz des EuGH-Urteils
vom 16. Oktober 2014 sei zu erwarten,
dass zusätzliche Anforderungen an be-
stimmte Bauprodukte mit CE-Zeichen
nicht mehr zulässig sind.
Über diese und weitere Konsequenzen
aus der Entscheidung des EuGH für die
Verwendung von Bauprodukten infor-
mierte Dr. Ing. Björn Siebert vom Deut-
schen Beton- und Bautechnik-Verein
aus Berlin. Als Folge der EuGH-Entschei-
dung wird das nationale Bauordnungs-
recht an das unvollständig umgesetzte
Europäische Bauproduktenrecht ange-
passt. Siebert machte deutlich, dass ins-
besondere die Bauunternehmen vom
Ineinandergreifen der Rechtsbereiche
Europäisches Bauproduktenrecht und
Nationales Bauordnungsrecht beson-
ders nachteilig betroffen sind.
Dipl.-Ing. Cynthia Morales-Cruz vom
ibac in Aachen stellte interessante An-
wendungsbeispiele von technischen
Textilien zum Schutz von Bauwerken vor.
Neben einer guten Rissverteilung und
langen Lebensdauer der Bewehrung
liege der Vorteil von Textilbeton wegen
des geringen Materialverbrauchs und
der möglichen Gewichtsreduzierung in
der Gestaltung von schlankeren Quer-
schnitten.
Die fachgerechte Anwendung der ZTV-
ING bei der Abdichtung von Brücken-
bauwerken war Thema des Vortrages
von Dipl.-Ing. Peter Rode. Der Geschäfts-
führer der Beratungsstelle für Gussas-
phaltanwendungen konnte eine Reihe
von Fehlerquellen benennen, die für
die in letzter Zeit gehäuft auftretenden
Mängel bei der Bauwerksabdichtung ur-
sächlich sind. Klassische Fehlerquellen
sieht Rode im Gussasphalteinbau bei
Nässe, aber auch bei materialbedingten
Defiziten von Bitumenschweißbahnen
mit hochliegender Trägereinlage.
Das Fachpublikum machte im Anschluss
an die Vorträge jeweils eifrig Gebrauch
von der Möglichkeit, Fragen an die Refe-
renten zu stellen.
Die Veranstaltung wurde traditionell
durch eine Fachausstellung bekannter
Produkt- und Gerätehersteller begleitet.
Weitere Infos auf
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meinschaft-rps.de