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AUSB I LDUNGSZENTRUM
Berufliche Aus- und Weiterbildung 2015 –
flüchtlinge - die chance für die bauwirtschaft!
AGV
INTERN
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Auszubildende 1. Ausbildungsjahr
(BHG+DD+U) im ABZ bis 01.12.
Flüchtlinge werden meistens als Prob-
lem gesehen. Dabei ist es unser eigenes
Problem, wenn wir Fremden mit Vor-
behalten begegnen. Politiker konnten in
den vergangenen Jahrzehnten Wahlen
gewinnen, indem sie die Menschen mit
Migrationshintergrund als Problem er-
klärten. Dabei bringt kulturelle Vielfalt
enorme Chancen für uns alle mit.
Junge Menschen, die ihr Heimatland
verlassen mussten, haben dort oft be-
reits eine Ausbildung, manche von Ih-
nen sogar ein Studium absolviert. Viele
Flüchtlinge bringen Berufserfahrung
mit. Dieses Wissen steht uns frei zur
Verfügung, wir müssen es nur nutzen.
Sie kommen aber häufig aus Ländern, in
denen die berufliche Bildung nicht das
höchste Ansehen genießt. Deshalb müs-
sen wir mit diesen Menschen sensibel
umgehen und ihre Stärken und Erfah-
rungen in Balance zu den Erwartungen
unserer Gesellschaft und Wirtschaft
bringen.
Auch muss es selbstverständlich sein,
dass Menschen, die zu uns kommen und
sich integrieren wollen, die deutsche
Sprache erlernen. Das braucht Zeit und
passende Angebote. Darüber hinaus
haben Menschen mit Fluchterfahrung
eine starke Lernmotivation.
Unter diesem Aspekt steht unser Bil-
dungssystem und alle daran Beteiligten
vor großen Herausforderungen. Dabei
bieten diese Jugendlichen die große
Chance, unser System weiterzuentwi-
ckeln. Davon werden alle profitieren,
nicht zuletzt die deutschen Auszubil-
denden, ihre Ausbilder, die Betriebe und
unsere Gesellschaft.
Die Gesamtzahl der in der saarländi-
schen Bauwirtschaft neu abgeschlos-
senen Ausbildungsverträge 2015 sta-
gniert nach vier Jahren Rückgang. Der
Wermutstropfen besteht darin, dass die
Stagnation ausschließlich durch Sonder-
effekte erreicht wurde. In Folge waren
die Ausbildungsverträge im Bauhaupt-
gewerbe stark rückläufig. Alleine das
Dachdecker- und das Stuckateurhand-
werk hatten ein Plus zu verzeichnen.
Eine gleichbleibend niedrige Ausbil-
dungsbereitschaft ließen die Zimmerer-
betriebe erkennen. Eine erschreckende
Reduktion der Ausbildungsleistung von
mehr als 30% musste dasMaurerhand-
werk verkraften. Auswirkungen auf
die Organisation der schulischen Aus-
bildung in 2016 sind zu erwarten. Der
Trend in einigen Gewerken, verstärkt
Auszubildende mit Vorbildung im zwei-
ten Lehrjahr einzustellen, hat sich in
diesem Jahr verstärkt. Eine weitere Ent-
wicklung zeigt sich in der Veränderung
des Verhältnisses der IHK-Verträge zu
den HWK-Verträgen von 1:4 auf 1:5. Die
Zurückhaltung der saarländischen Bau-
betriebe bei der Einstellung neuer Lehr-
linge in 2015 ist bundesweit gesehen ein
nur schwer verständliches Phänomen.
Wir weisen an dieser Stelle erneut und
verstärkt daraufhin, dass das Ausbil-
dungsengagement der Unternehmer
der Bauwirtschaft deutlich zunehmen
muss, um weiterhin zukunftsfähig am
Markt agieren zu können.
Das Ausbildungszentrum des Arbeitge-
berverbandes der saarländischen Bau-
wirtschaft steht in seinem ganzen Han-
deln für eine bessere Verknüpfung von
Nachwuchswerbung, Flüchtlingsinteg-
ration, Ausbildung und Weiterbildung
und hat im vergangenen Geschäftsjahr
zum Erlangen der genannten Ziele die
nachfolgenden Maßnahmen durchge-
führt: